Pyridoxin wird zu den B-Vitaminen gezählt und auch Vitamin B6 genannt. Vitamin B6 ist ein Sammelbegriff für die drei, sich sehr ähnlichen, chemischen Verbindungen Pyridoxamin, Pyridoxol und Pyridoxal, die als Vorstufen des aktivierten Vitamin B6 (Pyridoxalphosphat/Pyridoxaminphosphat) vorkommen und sich durch ihre Seitengruppen unterscheiden. Pyridoxin wurde im Jahr 1934 durch Paul György entdeckt.
Vitamin B6 ist wasserlöslich und wird von der Darmschleimhaut des oberen Dünndarms durch passive Diffusion bei einer geschätzten Absorptionsrate von 70% bis 75% aufgenommen. Nach der Umwandlung in die biologisch aktiven Formen, wird Vitamin B6 hauptsächlich in der Leber gespeichert.
Unter ATP-Verbrauch synthetisiert der Körper aus den, über die Nahrung aufgenommenen Stoffen, Pyridoxin, Pyridoxal und Pyridoxamin die biologisch aktiven Phosphorsäureester Pyridoxal-5'-phosphat (PLP) und Pyridoxamin-5'-phosphat (PMP). PLP, das etwa 60% des im Körper zirkulierenden Vitamins B6 ausmacht, bildet als Coenzym einen Bestandteil aller Körperzellen. PLP und PMP sind so an etwa 100 enzymatischen Reaktionen beteiligt, welche fast alle im Aminosäurestoffwechsel ablaufen. Pyridoxalphosphat ist daneben als Cofaktor entscheidend für die Synthese eines Zwischenprodukts (5-Aminolävulinsäure) im ersten Schritt der endogenen Häm-Synthese.
Als Coenzym von Desaminasen, Transaminasen, Decarboxylasen und anderen Enzymen, ist Vitamin B6 unerlässlich für den Ab- und Umbau von Aminosäuren im Eiweißstoffwechsel. Auch an der Bereitstellung der, für die Reizweiterleitung in den Synapsen nötigen, biogenen Amine wie des Neurotransmitters Gamma-Aminobuttersäure (GABA) ist PLP beteiligt. Ferner ist Vitamin B6 wichtig für die Synthese der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin sowie des Gewebshormons und Botenstoffs Histamin. Vitamin B6 aktiviert den Fettstoffwechsel und die Wirkung anderer Vitamine.
Schon nach etwa zwei bis sechs Wochen sind die Vitamin-B6-Speicher des menschlichen Körpers erschöpft, weil Vitamin B6 aufgrund der Wasserlöslichkeit nur kurzzeitig im Körper gespeichert werden kann. Beim Erhitzen Lebensmitteln ist zu beachten, dass gerade tierische Produkte dadurch schneller ihren Vitamin-B6-Gehalt einbüßen, da Pyridoxal und Pyridoxamin im Vergleich zu Pyridoxin, das überwiegend in Pflanzen vorkommt, relativ hitzelabil sind. Da Pyridoxin jedoch nicht, wie seine beiden Derivate Pyridoxal und Pyridoxamin direkt von der Darmschleimhaut resorbiert werden können, ist die Bioverfügbarkeit dieser beiden Stoffe im Vergleich zu der des Pyridoxins höher. Daher ist es leichter den täglichen Vitamin B-6-Bedarf mit tierischen Lebensmitteln zu decken. Gerade Vegetarier und umso mehr Veganer sollten daher auf eine Vitamin-B6-haltige Ernährung achten oder gegebenenfalls eine Substitution mit Nahrungsergänzungsmitteln in Betracht ziehen.
Vitamin B6 ist in fast allen Lebensmitteln enthalten. Pyridoxin kommt vorwiegend in pflanzlichen, Pyridoxal und Pyridoxamin überwiegend in tierischen Nahrungsmitteln vor. In höheren Konzentrationen ist Vitamin B6 in Hühnerfleisch, Pflanzenkeimen und Leber enthalten. Auch Milchprodukte, Fisch (Sardinen, Lachs, Thunfisch, Forelle, Heilbutt und Hering) und Schweinefleisch, Kohl, grüne Bohnen, Linsen, Feldsalat, Kartoffeln, Vollkorngetreide, Vollkornprodukte, Nüsse, Hefe, Weißbier, Avocado und Bananen sind Vitamin-B6-Quellen.
Laut DGE sollten Frauen täglich 1,6mg und Männer 1,8mg Pyridoxin über die Nahrung aufnehmen. Allerdings wird bei höherer Proteinaufnahme mehr Vitamin B6 benötigt, um diese zu verstoffwechseln. Menschen, die viel Eiweiße zu sich nehmen haben daher einen erhöhten Bedarf an Pyridoxin und sollten daher auf eine ausreichende Vitamin-B6-Versorgung achten. Pro einem Gramm aufgenommenem Protein sollen laut DGE 0,02mg Vitamin B6 benötigt werden.
In seltenen Fällen wurden bei chronischer Einnahme von über 500mg täglich, wie sie nur durch Supplementation erreichbar ist, Photosensitivität und Neurotoxizität beobachtet. Die Neurotoxizität äußerte sich in einer periphären, sensorischen Neuropathie mit ataktischen Gangstörungen, Reflexausfällen sowie Störungen des Tast-, Vibrations- und Temperaturempfindens. Auch das Auftreten einer Dermatitis, wie die Acne medicamentosa, ist möglich.
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