Retinol (Vitamin A): Mangel, Tagesbedarf und Wirkung

Vitamin A (Beta-Carotin) in Karotten

Retinol (Vitamin A) ist unter anderem für die Bildung und Reifung von roten Blutkörperchen und die Sinneswahrnehmung (Sehen, Hören, Riechen und Schmecken) wichtig. Auch Vorgänge, die Fortpflanzung, Entwicklung und Wachstum betreffen, werden durch das Vitamin beeinflusst. Besonders Leber und Möhren enthalten viel Vitamin A.

Was ist Vitamin A?

Vitamin A ist die Bezeichnung für Verbindungen, die die volle Wirksamkeit von Retinol und seinen Estern besitzen. So sind z.B. Retinol selbst und ca. 50 Carotinoide dem Begriff Vitamin A zuzuordnen. Entdeckt wurde Retinol im Jahre 1909.

Retinolmangel

Erste Anzeichen eines Retinolmangels (Mangel an Vitamin A) sind trockene und schuppige Haut sowie Sehstörungen, beispielsweise Nachtblindheit.

Symptome eines Mangels an Vitamin A

In späteren Stadien kann ein Vitamin-A-Mangel folgende Symptome auslösen:

  • erhöhte Infektanfälligkeit, vor allem für Lungenentzündungen
  • Appetitverlust
  • Geschmacks- und Hörstörungen
  • verminderte Fertilität (Fruchtbarkeit)
  • frühkindliche Missbildungen
  • Wachstumsstörungen
  • Gewebeschäden
  • Atemwegs- und Durchfallerkrankungen
  • im Extremfall: Tod

Beunruhigend ist der Fakt, dass weit über 25% der Bevölkerung die empfohlene Zufuhr an Vitamin A über die Ernährung nicht erreichen. Die Einnahme Vitamin-A-haltiger Supplemente scheint sich daher bei bestimmten Personengruppen vorteilhaft auszuwirken.

Es wird angenommen, dass zwischen der Entstehung von Krebs, grauem Star und Kreislaufkrankheiten sowie Retinolmangel ein Zusammhang besteht. Risikogruppen eines Vitamin-A-Mangels sind vor allem Stillende und Schwangere, Raucher und Alkoholiker. Jedoch kann das Nichterreichen der empfohlenen Tageszufuhr auch bei allen übrigen Menschen durch unausgewogene Ernährung oder aus anderen Gründen auftreten.

Dosierung von Vitamin A

Wie hoch ist der Retinol-Tagesbedarf?

Der Tagesbedarf an Retinol beträgt laut DGE je nach Alter und Geschlecht etwa 0,6mg bis 1,5mg. 1mg entspricht 3300 I.E. Retinol-Äquivalent, errechnet anhand der Aufnahme von Retinol. Die Wirksamkeit von einem Mikrogramm Retinol entsprechen der von 2µg beta-Carotin. Der tägliche Bedarf wäre also durch entweder 1mg Retinol, 2mg beta-Carotin oder durch eine bestimmte Menge von beiden Stoffen, z.B. 0,5mg Retinol und 1mg beta-Carotin gedeckt.

Schwangere, Stillende, Jugendliche, Alkoholiker und sonstige Risikogruppen eines Vitamin-A-Mangels benötigen entsprechend größere Mengen an Retinol.

Der Retinolgehalt in Muttermilch schwankt in Abhängigkeit von der Versorgung der Mutter. Die relativ hohen Vitamin-A-Gehalte, die auch bei weniger gut versorgten Frauen ohne Supplementierung in der Muttermilch gemessen werden, sinken rasch innerhalb eines Monats auf weniger als 50% des ursprünglichen Gehaltes. Insofern ist ein früher Stillbeginn und eine außreichende Versorgung mit Retinol von großer Bedeutung für die Vitamin-A-Versorgung und somit für die ungestörte Entwicklung und Gesundheit des Säuglings.

Folgen und Symptome einer Überdosierung

Die Aufnahme hoher Mengen Vitamin A erzeugt ein charakteristisches Toxizitätsbild (Hypervitaminose A). Eine akute Hypervitaminose A kann ab einer einmaligen Aufnahme von etwa 500mg Retinol bei Erwachsenen, 100mg bei Kindern und 30mg Retinol bei Kleinkindern auftreten. Symptome äußern sich in Kopfschmerzen, starker Müdigkeit, Übelkeit und Papillenödemen.

Nach 24 Stunden tritt eine massive Schuppung der Haut ein. Außerdem führt eine zu hohe Vitamin-A-Aufnahme zu einer Verringerung der Knochendichte. Missbildungen des Fötus während der Schwangerschaft können durch eine massive Überdosierung von Vitamin A bedingt sein.

Vorkommen: In welchen Lebensmitteln ist Retinol enthalten?

In tierischen Lebensmitteln ist Retinol insbesondere in Leber, Eigelb, Käse, Fisch, Milch und Milchprodukten in Form von Retinylestern enthalten.

Pflanzliche Nahrungsmittel beinhalten Vitamin A meist in Form von beta-Carotin. Gelbe, rote und grüne Gemüse und Früchte wie Karotten, Spinat, Tomaten, Paprika, Aprikosen, Kirschen, Grapefruits, Rote Bete, Papaya, Broccoli, Petersilie und Feldsalat enthalten beta-Carotin. Durch Hitze- und Lichteinwirkung kommt es zu Vitaminverlusten, die bei üblicher Ernährung und schonender Zubereitung von Lebensmitteln im Mittel bei 20% oder mehr liegen.

Wirkung von Retinol

Retinol (Vitamin A)
Retinol (Vitamin A)

Retinol und verwandte Verbindungen wirken sich auf die Hämatopoese aus, indem es zu einer vermehrten Freisetzung von roten Blutkörperchen führt. Vitamin A übernimmt Aufgaben bei Oogenese (Eireifung im Eierstock) und Spermatogenese (Reifung der Spermien).

Auch bei der Entwicklung der Plazenta und des Embryos und des Epithels spielen Vitamin-A-Verbindungen eine entscheidende Rolle. Daher sind Entwicklung, Wachstum und Fortpflanzung von einer ausreichenden Retinolzufuhr abhängig.

Außerdem ist Retinol für das Funktionieren von Sehen, Hören, Riechen und Schmecken essentiell. In Verbindung mit einem Protein namens Opsin bildet Vitamin A das Rhodopsin, welches in den Zapfen und Stäbchen der Netzhaut eingelagert ist.

Weiterhin fungiert Vitamin A als Antioxidans. So verhindert Vitamin A die Schädigung von Zellen, Zellkern samt DNA durch die freien Radikale und mindert somit auch die Entstehung von Krebs.

Vitamin A im Stoffwechsel

Vitamin A ist fettlöslich und wird bei ausreichender Fettversorgung zu ca. 80% resorbiert. In der Nahrung liegen meist Retinylester vor, welche im Darm hydrolisiert und von Enterocyten (Darmepithelzellen) aufgenommen werden. Danach wird Retinol zur Leber transportiert, wo ca. 50-80% gespeichert werden.

Erneut hydrolysiert kann Vitamin A in Form von Retinol aus der Leber freigesetzt und in jede Zelle des Körpers transportiert werden, in welchen es hauptsächlich zu Retinaldehyd und zum Teil weiter zu Retinsäure oxidiert wird.

Von Vitamine-Lexikon Redaktion, aktualisiert am