Vitamin B1 (Thiamin)

Einführung

Vitamin B1, mit der chemischen Bezeichnung Thiamin, besteht aus einem Pyrimidinring, der über eine Methylengruppe mit einem Thiazolring verbunden ist.
Entdeckt wurde Thiamin im Jahre 1897. Das Vitamin B1 ist gut wasserlöslich, oxidationsempfindlich und thermolabil.

Stoffwechsel des Vitamin B1

Nur ca. 9 bis 16 mg Vitamin B1 kann der menschliche Körper täglich aufnehmen. Die Absoprtion erfolgt über einen aktiven Mechanismus, der über Transportmoleküle reguliert wird. Dieser Mechanismus ist dosisabhängig, wodurch mit steigender Dosis ein geringerer Prozentsatz des zugeführten Vitamin B1 tatsächlich vom Körper absorbiert wird.

Bei oralen Dosen von 6 mg oder mehr pro Tag werden nur noch ca. 5 bis 10% der zugeführten Menge absorbiert. Nach der Aufnahme wird Vitamin B1 hauptsächlich in der Leber in Thiamindiphosphat (TDP) umgewandelt.
Besonders in Gehirn, Leber, Niere, Skelett- und Herzmuskulatur wurden hohe Konzentrationen an Thiamin gefunden. Der Mensch kann insgesamt ca. 25 bis 30 mg Vitamin B1 im Körper speichern, wobei das Vitamin etwa 20 bis 40 Tage im Körper verweilen kann. Nach diesem Zeitraum wäre bei vollständig ausbleibender Vitamin-B1-Aufnahme auch das letzte gespeicherte Thiaminmolekül "verbraucht" oder ausgeschieden worden und der Körper gänzlich thiaminfrei. Es ist also eine regelmäßige Zufuhr an Vitamin B1 vonnöten, damit die von dem Vitamin abhängigen Stoffwechselvorgänge, überhaupt oder ungestört ablaufen können.
Die Absorption von Thiamin wird von Atazida (säurebindende Medikamente) und von schwarzem Tee vermindert.
Außerdem wird das Vitamin durch das Arzneimittel 5-Fluoruracil inaktiviert, indem die Phosphorylierung von Thiamin zu Thiamindiphosphat (Umwandlung von Thiamin zu TDP) gehemmt wird.
Auch Alkohol vermindert die Vitamin-B1-Absorption und erhöht gleichzeitig die Vitamin-eliminierung.

Funktionen des Vitamin B1 im Körper

Thiamindiphosphat stellt die aktive Form des Vitamin B1 im Körper dar. Es wirkt hauptsächlich als Coenzym in wichtigen Gruppenübertragungsreaktionen im Energiestoffwechsel und ist somit maßgeblich an der Gewinnung von Energie aus der Nahrung beteiligt.
Weiterhin beeinflusst es die Neurotransmitter (Botenstoffe, die in Synapse einer Nervenzelle als Reizüberträger fungieren) GABA und Serotonin und wirkt als Antagonist des Acetylcholin, welches einen wichtigen Botenstoff im zentralen und peripheren Nervensystem darstellt.

Vitamin-B1-Mangel

Ein Mangel an Vitamin B1 führt insbesondere zu Störungen im Kohlenhydratstoffwechsel. Bei der akuten Form des ausgeprägten Thiaminmangels kommt es zur metabolischen Azidose (Erniedrigung des pH-Wertes des Blutes / Übersäuerung des Blutes), welche unter Umständen von Herzversagen begleitet wird.
Ein schwerer anhaltender Thiaminmangel führt zum Krankheitsbild der Beriberi. Je nach Verlaufsform und Mitbeteiligung weiterer Nährstoffe ist die Beriberi durch neurologische Ausfälle, Skelettmuskelschwund, Herzmuskelschwäche, Depressionen und Ödeme (Austritt von Flüssigkeit aus dem Gefäßsystem und deren Ansammlung im Zwischenraum zwischen Organen oder Geweben) gekennzeichnet. Man unterteilt diese Avitaminose (Erkrankung, die durch Vitaminmangel ausgelöst wird) in die neurologisch betonte Form ("dry beriberi") mit überwiegend neuritischen Störungen und Polyneuropathien (diffuse Erkrankungen des peripheren Nervensystems, u. a. Schwäche, Atrophie = Gewebeschwund, Verlust der Muskeleigenreflexe, Parästhesien) und die ödematöse Form ("wet beriberi"), bei welcher klinisch Herzinsuffizienz (Herzversagen) und Ödembildung im Vordergrund steht. Meist tritt die Krankheit zusammen mit Fehlernährung oder Alkoholismus auf.
Leichtere Mangelerscheinungen sind auch in Industrienationen häufig zu beobachten.

Vorkommen

Gute Vitamin-B1-Lieferanten sind Muskelfleisch, besonders Schweinefleisch, Leber, einige Fischarten (Scholle, Thunfisch), Getreide und Getreideprodukte, Hülsenfrüchte und Kartoffeln.
Der Mittelwert für die Zubereitungsverluste von Lebensmitteln bei landesüblicher Ernährung und schonender Zubereitung beträgt ca. 30% oder mehr.

Täglicher Bedarf

Laut der DEG (deutsche Gesellschaft für Ernährung) sollten dem Körper täglich etwa 1,3 mg Thiamin zugeführt werden. Da Vitamin B1 nur sehr kurz (s.o.) gespeichert werden kann, ist eine regelmäßige Aufnahme besonders wichtig.
Viele Menschen haben durch einseitige Ernährung (u.a. zu wenig Vollkornprodukte, Reis, etc.), Stress, Anti-baby-Pille, Schwangerschaft / Stillzeit, Rauchen, Alkoholismus einen leichten Vitamin-B1-Mangel. Diese sollten daher (präventiv oder zur Linderung schon vorhandener Beschwerden) evtl. zu Supplementen greifen.

Nahrungsergänzungsmittel mit 250 mg Vitamin B1 (unter "Kategorien" -> "Vitamine")

Überdosierung

Eine Thiaminüberversorgung ist praktisch unmöglich und wurde auch noch nie beobachtet, da Vitamin B1 nicht toxisch ist und überschüssige Mengen über das Urin ausgeschieden werden, da das Vitamin wasserlöslich ist.

Vitamine-Informationen (Vitamin A, B1, B2, B3, B5, B6, B12, C, D, E, H, K)

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